Tag 18

Allgemein, Lifestyle

Es ist mein 18. Tag in der selbstverordneten Quarantäne. Ich sitze zuhause an meinem Schreibtisch und klebe das letzte Foto in ein Album, dass ich mir seit drei Jahren schwöre fertigzustellen. Geschafft habe ich es erst jetzt – inmitten dieser vielen Tage, die zwischen Aufstehen am Mittag und ins Bett gehen nachts um drei zu einem einzigen zu verschwimmen scheinen.

Einzig meine Pillenpackung erinnert mich regelmäßig daran, welcher Tag gerade ist. Auf Instagram halten mir zweihundertdreiundachtzig Infaulencer ihr selbstgebackenes Bananenbrot, ihre viertausend Teile Puzzle und ihre #stayhomestaychic Outfits entgegen. Ich selbst trage Jogginghose und einen Kapuzenpulli. Ich bin ungeschminkt und meine Haare waren auch schon mal ordentlicher gekämmt. An einigen Tagen trage ich Jeans – aber auch eher wegen der Taschen, in denen ich dann das Handy zum Musikhören verstauen kann, während ich das Bad putze. Denn was kann ich sonst schon groß tun? Überall lese ich Tipps fürs Home office, aber meine Uni hat noch nicht wieder begonnen. Und ich weiß, wie gut es mir geht. In meiner dreier Wg. Ohne Existenzängste wegen Corona. Ich gehöre keiner Risikogruppe an. Ich brauche nichts weiter zu tun, als zuhause zu bleiben, mit meinem Freund und einer Freundin, um meinen Teil gesellschaftlicher Verantwortung zu tragen. Was ich so getan habe ich der Quarantäne? Ich beginne seit ewigen Zeiten wieder damit, regelmäßige Workouts zu machen. Ich koche, ich lese, ich gehe im Park spazieren (natürlich nur allein, oder mit meinem Haushalt). Ich habe das Bad geputzt und meinen Kleiderschrank aussortiert, aber ich sträube mich trotzdem gegen den Gedanken, jetzt jeden Tag produktiv sein zu müssen. Ich genieße es in vollen Zügen spät aufstehen zu dürfen, weil mich niemand erwartet. Ich gebe Nachhilfe per Skype und schreibe an meiner Hausarbeit, aber ich kann auch problemlos einen ganzen Tag lang nur im Bett liegen bleiben, mit Mona Kastens neuestem Roman und einer Orangensaftschorle. Ich muss nirgendwo hin. Ich muss nichts tun. Ich darf einfach in mich hineinhören und tun, was immer sich gut für mich anfühlt. Ich muss kein Bananenbrot backen, wenn ich das nicht möchte. Und ich muss mich nicht jeden Morgen fertigmachen und dann in ordentlichen Klamotten an meinem Schreibtisch sitzen, damit sich alles möglichst normal anfühlt. Denn es ist nicht normal. Die Welt befindet sich in einem Ausnahmezustand. Diese Situation ist vieles – aber bestimmt keine Normalität. Und ich habe in all dieser Verrücktheit ziemlich großes Glück – weil ich nur zuhause bleiben muss. Und durchatmen. Ganz tief. Beim Yoga. Ja, ich mache jetzt Yoga. Ich finde es entspannend. Überraschenderweise. Ich finde es auch entspannend, bis tief in die Nacht hinein mit meinem Freund und meiner Mitbewohnerin Trash Tv zu schauen, Weintrauben zu naschen und mich einzukuscheln. Ich habe heute das bereits zweite Fotoabum fertig geklebt und mein Buch zur Hälfte durchgelesen. Und das alles ganz ohne Stress. Ohne, dass jemand das von mir wollte. Ich werde nicht anfangen zu joggen für #corruna oder irgendeinen anderen der social media Trends oder eine der vielen Challenges, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Aber ich lerne Tanzvideos mit meiner Freundin. Ok, erstmal nur das für Kinder. In halber Geschwindigkeit. Mit vielen Wiederholungen. Spaß gemacht hat es trotzdem. Und ich suche Rezepte raus für den Speiseplan nächste Woche. Und vertraue auf die Experten. Und die Nachrichten. Bleibt zuhause! Informiert euch über seriöse Quellen! Diese Situation ist ungewohnt, sie ist neu und für einige kann sie sehr gefährlich sein. Aber sie markiert nicht das Ende dieser Welt! Bleibt zuhause, bleibt gesund, passt auf euch auf! Und wenn ihr Lust habt, dann puzzelt und backt ein Bananenbrot. Aber wenn nicht, dann ist das auch völlig in Ordnung!

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3 Gedanken zu “Tag 18

  1. Ein schöner Text, der perfekt auch meine aktuelle Stimmungslage einfängt. Außerdem musste ich sehr über die Pillenpackung schmunzeln – mir geht es genauso! 🙂 🙂
    Toll, wie du aus dieser Lage trotzdem noch was Gutes für dich rausziehst.Alles Gute weiterhin & bleib schön gesund. 🙂

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