Von Selbstliebe und Bodypositivity

Lifestyle

„It doesn´t matter what size you are. It doesn´t matter if you have cellulite. It doesn´t matter if things jiggle where they´re not supposed to. That´s still beautiful.“
– Ashley Graham

Ok, also wie genau funktioniert das jetzt mit der Selbstliebe? Die heimliche Heldin meines aktuellen Lesestoffs, Ember, trägt eine oder zwei Größen „zu viel“ in den Augen der Gesellschaft. Sie führt einen Plus Size Blog und liebt Mode, sie inspiriert hunderte andere Menschen, vor allem junge Mädchen, sich wohl in ihrer Haut zu fühlen, sexy und zu tragen, was ihnen gefällt. Und sie sitzt mit ihrem besten Freund in der Eisdiele und fühlt sich schuldig, wenn sie den Schokoeislöffel zum Mund führt. Denn sie fühlt die Blicke der anderen. Sie liebt es, sich auffällig zu kleiden – und trotzdem hasst sie es, die Augen des Gegenübers nicht auf dem gepunkteten Pettycoat, sondern auf den Röllchen am Bauch zu wissen.

Eine gute Freundin von mir nimmt nicht zu. Sie hasst es. Und wird ausgelacht von fremden Menschen. „Deine Probleme hätte ich gern“, ist ein scherzhaft herablassender Satz, den sie nicht selten zu hören bekommt, wenn sie klagt, von Schokolade nicht zunehmen zu können. Weil es in unserer Gesellschaft nicht als Problem angesehen wird. (Zu) dünn zu sein. Im Gegenteil. „Sei doch froh“, „Jetzt hab dich mal nicht so“, „Mimimi“. Was sie nicht sehen: Keine Reserve für Krankheitszeiten, die Gefahr, wenn der Körper nichts hat, wovon er zähren kann nach einer OP. Body shaming, wegen zu wenig Körperfett, vielleicht „zu kleinen“ Brüsten. Die Unmöglichkeit Blut spenden zu gehen, ein echtes Ziel für sie, welches aber erst ab einem gewissen Kilostand in die Tat umgesetzt werden kann. Jedesmal, wenn ich sie sehe, haut es mich um wie schön sie ist.

Ich habe mich immer zu dick gefühlt. In Kleidergröße 38. Ich wollte dünn sein. Und wurde es. Ich dachte, es macht mich glücklich. Aber es machte mich unendlich traurig. Also wollte ich noch dünner werden. Und wurde noch trauriger. Und schließlich – nach dem Abi – ging ich ins Ausland. Und lernte, mich zu lieben. Weil mir gespiegelt wurde, wie sehr ich geliebt wurde. Von Menschen, die nicht unmittelbar zu meiner Familie gehörten und daher nicht unbedingt dazu „verpflichtet“ waren, mich zu mögen. Sie mochten mich. Einfach mich. Meinen Charakter. Dass ich für sie da war. Dass ich lachte. Und sang. Und fröhlich war. Und jedesmal, wenn du mich siehst, sagst du mir, wie schön ich bin.

„It doesn´t matter.“, sagt Ashley Graham. Und wahrscheinlich hat sie recht. Es ist nicht sooo schlimm – solange du den Blick nicht spürst. Solange du dich nicht vergleichst. Solange keine Verurteilung kommt. Das ist der Punkt, an dem es schwieriger wird. Aber nicht unmöglich. Und ich höre Ember sagen: „Ich habe nicht jahrelang gelernt mich selbst zu lieben, um mir von dir ein schlechtes Gefühl geben zu lassen.“ Ja, vielleicht ist jemand dick. Oder dünn. Oder hat O-Beine. Oder etwas ganz anderes, mit dem er/sie nicht zufrieden ist. Aber jeder Mensch hat auch tausend Dinge am Körper, auf die er stolz sein kann. Besonderheiten, die toll sind. Und die er zurecht bewundern kann. Und außergewöhnlich finden. Und sexy. Und in Summe fühl ich persönlich mich an den meisten Tagen doch ziemlich wohl in meiner unperfekten Haut.
Denn ich glaube, ich werde es vielleicht nie schaffen, mich 100 prozentig zu lieben. Also ausnahmslos alles an mir. Vielleicht kann das niemand. Und vielleicht muss das auch niemand. Ich glaube, wir müssen nicht alles an uns schön oder perfekt finden. Aber wir müssen lernen, unseren Körper so zu akzeptieren, wie er ist. Mit Makeln. Und Streifen. Und Narben. Und Leberflecken. Mit Akne und Rötungen und trockener Haut. Mit krummen Zehen und dünnen Haaren und störrischen Wimpern. Mit einer Kleidergröße 40. 42. 32. Mit einem C-Körpchen. Und AA. Es gibt Dinge, die du ändern kannst, wenn du mit ihnen unzufrieden bist. Aber an angeborenen Sommersprossen oder Leberflecken; an der Grundform deines Körpers von Apfel, Birne oder sonstigem Obst wirst du nichts drehen. Also lerne, dich so zu lieben, wie du bist. Denn:  Jeder Körper ist schön! Jeder Körper ist einzigartig! Und jeder Körper ist es wert, geliebt zu werden. Von dem Menschen, dem er gehört. Also sei kein Arsch – urteile nicht über in deinen Augen zu große oder zu kleine Brüste, über zu kurze Beine oder eine Speckrolle mehr am Bauch. Sondern geh lieber hin und mach ein ehrliches Kompliment für guten Modegeschmack. Für schöne Schuhe oder eine tolle Bluse. Und schenk ein Lächeln anstatt eines schlechten Gefühls. Es macht dich nicht besser, es macht dich nicht reicher. Ein Lächeln schon.

Leni-2

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3 Gedanken zu “Von Selbstliebe und Bodypositivity

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