Federleicht

Lifestyle

„What if I fall?“
~ „Oh darling, but what if you fly?“

Ich springe nicht. Ich stehe auf dem Dreimeterbrett, auf dem Fünfmeterbrett, auf dem Sprungbock bei dieser Vertrauensübung in der neunten Klasse. Ich schaue in das klare Chlorwasserbecken, in das trübe Seewasser und auf verschränkte, starke Hände. Aber ich springe nicht. Weil ich das Gefühl hasse, durchs Nichts zu fallen.

„Ich glaube“, habe ich zu ihr gesagt, während wir am Flussufer spazierten und die Gesichter in die erste warme Frühlingssonne hielten, „Ich glaube, wenn es einfach nur so wehtut, dann will ich von der Liebe gar nichts mehr wissen.“ Und sie schaute mich ungläubig an. 

Meine Meinung zu diesem Thema hat sich seitdem etwas geändert. Eigentlich sogar sehr.

Und heute – heute schaust du mich an. Schaust mich an und etwas Resigniertes liegt in deinem Blick und du sagst, dass du dich nicht mehr verlieben willst. Weil du den Schmerz nicht ertragen kannst.
Du hast auch Angst zu springen.

Ich springe nicht. Ich stehe auf dem Dreimeterbrett, auf dem Fünfmeterbrett, auf dem Sprungbock bei dieser Vertrauensübung in der neunten Klasse. Ich schaue in das klare Chlorwasserbecken, in das trübe Seewasser und auf verschränkte, starke Hände. Aber ich springe nicht. Weil ich das Gefühl hasse, durchs Nichts zu fallen.

„Als ich ihn kennengelernt habe, da wollte ich nicht springen. Ich wollte lieber gemütliche Bahnen ziehen, langsame, einfache Wege beschreiten. Ich wollte mich nicht verletzen lassen. Nicht schon wieder. Ich war gesprungen. Hab von dem Triumphgefühl gekostet, dieser eine Moment, in dem du denkst, du kannst fliegen.“, sage ich. „Und dann realisierst du, dass du einfach nur geradewegs auf dem Weg nach unten bist und fällst und es gibt nichts was du tun kannst. Du bist wehr- und hilflos. Und handlungsunfähig. Und das ist Scheiße!“

Und Liebe ist das schönste Gefühl auf der Welt. Aber eben aus das schlimmste. Und wenn du mit ganzem Herzen liebst, dann wirst du nicht einfach nur verletzt werden, wenn etwas schief geht. Du wirst es brechen hören. Mitten durch. In zwei perfekt symmetrische Hälften. Und es wird mehr wehtun, als du dir vorstellen kannst.
Aber unser Gehirn ist darauf programmiert, Schmerzen zu vergessen. Diese negative, uns zerstörende Empfindung zu löschen. Und irgendwann wird es besser. Und dann verebbt das Gefühl.  Und eines schönen Tages denkst du, es wäre doch eine gute Idee, auf den Sprungturm zu klettern.

Ich springe nicht. Ich stehe auf dem Dreimeterbrett, auf dem Fünfmeterbrett, auf dem Sprungbock bei dieser Vertrauensübung in der neunten Klasse. Ich schaue in das klare Chlorwasserbecken, in das trübe Seewasser und auf verschränkte, starke Hände. Aber ich springe nicht. Weil ich das Gefühl hasse, durchs Nichts zu fallen.

Wenn du einmal oben stehst musst du dich entscheiden. Du hast Angst. Und du hasst das Gefühl durchs Nichts zu fallen. Wehr- und hilflos zu sein. Wenn es schiefgeht. Aber wenn es gut geht, dann dehnt sich der Moment. Bei einem perfekten Sprung, breitet sich dieser eine köstlich süße Moment des Fliegens aus und wird groß – so groß wie eine in ihrem eigenen Vakuum gefangene Unendlichkeit. Und du fliegst und fliegst und du spürst dieses Triumphgefühl. Für einen Moment, lang wie eine Sekunde, ein paar sonnige Tage, oder – wenn du Glück hast – wie ein ganzes Leben, fließt es durch deine Adern. Dass Gefühl, der glücklichste Mensch zu sein, der je gelebt hat. Nichts zu brauchen oder zu vermissen und du bist federleicht.
Und genau dieses Gefühl – das ist alles wert, was danach je kommen könnte. Jeden Aufprall, jeden Schmerz und jede Wunde.

Denn nur wer springt, bekommt die Chance zu fliegen.

Leni-2

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3 Gedanken zu “Federleicht

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