Da leuchtet meine Seite. Auf deinem Bildschirm.

Lifestyle

„Wie kannst du so persönliche Dinge schreiben?“ „Wie gehst du damit um, wenn jemand liest und bewertet, was du fühlst?“ „Hast du keine Angst, deine Seele so offenzulegen?“

Ich habe über diese Fragen nie wirklich nachgedacht. Aber da leuchtet meine Seite. Auf deinem Bildschirm. Und zum ersten Mal stelle ich mir diese Fragen auch selbst. 

Das ging ganz leicht. Bis jetzt. Nur wenige, enge Freunde wissen hiervon. Lesen, was ich denke und fühle. Sind nicht selten selbst Teil eines Textes. Bis jetzt. Und der Rest? Anonym. Fremde Gesichter, fremde Namen, die meine Gedanken teilen, meine Emotionen nachempfinden, Inspiration aus meinen Texten mitnehmen. Aber da leuchtet meine Seite. Auf deinem Bildschirm. Und zum ersten Mal bin ich versucht, einen Beitrag offline zu nehmen. 

Ich will das nicht. Dass du etwas über meine neue Haut liest. Dass du hiervon weißt. Ich habe penibel darauf geachtet, den Namen dieser Seite nicht zu erwähnen. Und ich könnte mich ohne Kleidung niemals so nackt fühlen, wie in diesem Moment. Meine Seite leuchtet auf deinem Bildschirm. Und ich bin versucht, einen Beitrag zu löschen.

Gebe ich zu viel von mir im Internet preis? Veröffentliche ich zu unüberlegt innerste Gedanken und Gefühle, ohne  im Vorfeld darüber zu reflektieren, wer das alles lesen kann? Sollte ich mir nicht absolut sicher sein, dass es keine Person auf der Welt gibt, die das hier nicht lesen soll? Da ist die Freundin in meinem Ohr, die genau das fragt. „Du stellst das doch alles öffentlich. Ist doch klar, dass das jeder lesen kann.“ Und ich weiß, du hast recht. Mit deiner pragmatischen, unverblümten Art. Hast du immer. Und es stimmt ja auch. Also: Stimmt es? Reflektiere ich zu wenig? Darf das hier jeder lesen? – Ja. Darf jeder. Ist ja im Netz. Öffentlich. Für jeden zugänglich, der aus Versehen oder mit voller Absicht darüber stolpert. Für jeden lesbar. Zu viel? Ich glaube nein. Denn, wenn ich mal darüber nachdenke, stelle ich nichts leichtfertig online. Niemals. Ich lese jeden Post, bevor ich ihn freischalte, mindestens drei – viermal, nehme Änderungen vor, streiche zu emotionale Passagen. Ich nenne keine Namen, ich interpretiere. Ich gebe Situationen und Emotionen subjektiv erlebten Geschehens wieder. Und jeder Text ist eine Momentaufnahme. Eine Erinnerung. Ein Stück ich. Ich bin mir immer bewusst gewesen, dass das hier der virtuelle Raum ist. Öffentlich. Für jeden zugänglich. Das war und ist mir immer klar. Aber das ist ok. Das finde ich gut. Diesen Austausch. Mit euch. Dieses Gefühl, dass ihr euch in meinen Texten wiederfindet, wir bestimmte Gedanken und Gefühle teilen und ich sogar E-mails bekomme, in denen ihr mir schreibt, dass ich euch einen neuen Blickwinkel auf ein Problem geben konnte, das ihr selbst auch empfindet. Ich liebe meinen Blog.

Und trotzdem: Meine Seite. Dein Bildschirm. Ich bin versucht, den letzten Artikel zu löschen. Weil er so persönlich ist.

Ich habe mich dagegen entschieden. Weil ich immer gesagt habe, dass ich zu dem stehe, was ich schreibe. Zu dem stehe, was ich denke und fühle. Und ich es in Textform so viel besser sagen kann als in Worten. Und weil man auch keinen Text Wort für Wort nehmen darf. Weil alles auch Kunst ist. Weil ich ehrlich sein will. Auch wenn mir das Angst macht. Und das denke ich noch. Ich fühl mich wohl im Digitaldialog. 

„Wie kannst du so persönliche Dinge schreiben?“ – Kann ich das noch? Wenn du mitliest? Wenn du liest, wie ich fühle? … 

Muss ich wohl. Ich mag das hier. Hab mich an diesen Austausch gewöhnt. Mit anderen, fremden Gesichtern und Namen. Mit nicht mehr ganz so Unbekannten, die meine Gedanken teilen, meine Emotionen nachempfinden, Inspiration aus meinen Texten mitnehmen. Ich hab mich daran gewöhnt, online Tagebuch zu führen. Und Texte zu schreiben. Über Schmerz und Freude und die Liebe und ihren Kummer. Über mich und Freunde und Fremde und vielleicht auch über dich ab und an. Wenn ich damit leben kann. Dass du dann weißt, dass ich dich mag. 

Leni-2

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Ein Gedanke zu “Da leuchtet meine Seite. Auf deinem Bildschirm.

  1. Sehr schöner Text! Mir wurden diese Fragen auch oft gestellt und ich habe ähnlich wie du geantwortet ^^ Mein Blog beinhaltet einiges über kreatives Schreiben, aber dennoch komme ich nicht davon ab auch mal etwas sehr persönliches zu schreiben.
    Du machst das toll!

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