Feminismus(s) #2 // Von Pferdeschwanz-Frauenpower und der Frage „Wer will ich heute sein?“

Lifestyle

„Du siehst hübsch aus heute. Also, du siehst sonst auch hübsch aus. Aber heute siehst du irgendwie anders aus. Anders hübsch. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber es steht dir.“

Ich habe die Haare hochgebunden. Trage einen Pferdeschwanz. Das erschien mir heute früh vor dem Spiegel ganz normal. Aber jetzt, wo du es ansprichst, fällt es mir auf. Stimmt. Hab ich ewig nicht gemacht. Dabei ist das doch gar nichts Besonderes. Keine großartige Veränderung. Als ich meine Haare abgeschnitten habe, ist das niemandem aufgefallen. Aber wenn ich sie mal aus dem Gesicht nehme und zurückbinde – bekomme ich prompt eine Reaktion. 

Bin ich bequem geworden? Standardprogramm, Routine, Normalablauf. Oder einfach nur langweilig? Ich weiß, es ist ein Kompliment, aber irgendwie ärgere ich mich fast darüber. Ich brauche das normalerweise. Die Haare. Im Gesicht. Mein Vorhang. Mein Schutzmantel. Verstecken spielen mit der Welt. Ein bisschen Raum für mich. Was zum Spielen mit den Fingern, wenn ich nervös bin, oder aufgeregt. Dann zappel ich herum und zerzause meine Haare. 

Dabei ist das doch gar nichts Besonderes. Keine großartige Veränderung. 

Ne Winzigkeit. Ein Fingerschnippen. Ein Haargummi. Banal vielleicht. Und sicher nichts, worüber man einen Text schreiben sollte. Oder doch? Gesicht zeigen. Nicht verstecken. Präsent sein. Tatkräftiger. Ein bisschen forscher, aktiver irgendwie, ein bisschen kritischer, ein bisschen entschlossener. Kein Vorhang. Kein Versteckspiel. Keine Chance für Nervosität. Ein bisschen mehr da. Heute.

Dabei ist es doch gar nichts Besonderes. Keine großartige Veränderung. 

Nur ein bisschen weniger Vorhang. Und ne winzige Veränderung. Für einen Tag. Vielleicht versteck ich mich morgen wieder. Oder ich probier mal einen Dutt. 

Manchmal braucht es gar keine großartige Veränderung. Nichts Besonderes. Nur ein Fingerschnippen. Einen Haargummi. Einen Pferdeschwanz. Und die ganze Einstellung zum Tag, zum Selbst – ändert sich. 

Oberflächlich – Haare, Frisuren, Mode. Aber genau das ist doch die Entscheidung, die wir jeden Morgen fällen. Wer bin ich heute? Wie fühle ich mich? Und das drücken wir aus. Ob bewusst oder unbewusst. Mit unserer Kleidung. Make – up. Und nem Pferdeschwanz. 

Schon irgendwie was Besonderes – so (k)eine großartige Veränderung.

 

Nachtrag// der wichtigste Teil

Ich glaube, Feminismus, Frauenpower, wie auch immer wir das nennen wollen, hat viel mit den Themen Mode und Beauty zu tun. Und auch, wenn genau diese Assoziation mit so offensichtlich „mädchenhaft“- konnotierten Sujets zu ganz viel Genderwahn-Augenrollen führen mag …  für mich und ich glaube, auch für jeden anderen Menschen (ob nun Mann oder Frau oder irgendetwas dazwischen) ist die Entscheidung, was ich früh anziehe, wie ich mich schminke, welche Frisur ich gern tragen möchte… immer auch Ausdrucksweise dessen, wie ich mich an diesem Tag fühle. Wie ist meine Stimmung, wie möchte ich auftreten, was signalisiere ich meinem Gegenüber? Bin ich entschlossen, tatendurstig, bequem, sehne ich ich mich vielleicht nach einer kuscheligen Wohlfühlumgebung oder bin ich heute die schönste Frau der Welt und – ja, das darf man über sich selbst ruhig auch mal sagen – wahnsinnig sexy? Du musst dich nicht jeden Tag mögen. Und du musst dir auch nicht jeden Tag Gedanken darüber machen, was du anziehst, oder wie du deine Haare trägst.

Aber ich finde – in einem Pferdeschwanz steckt manchmal ganz schön viel Frauenpower!

(Bevor du jetzt aufhörst, zu lesen: Ich habe dem Beitrag ein Schlagwort hinzugefügt (#Feminismus(s)). Das findest du am Ende dieses Beitrags. Dort kommst du zum ersten Post dieser Reihe und zu allen, die zukünftig noch folgen werden.)

Leni-2

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