Die Sache mit der Gondel.

Lifestyle

„Ich hab so furchtbare Angst“, flüstere ich. „Brauchst du nicht.“ Du schaust mir fest in die Augen. „Hey“, du nimmst mich in den Arm, „Ich erzähl dir was, ok? Ich erzähl dir eine Geschichte. Das was dir gerade passiert, das ist wie die Sache mit der Gondel.“ „Welche Gondel“, blicke ich fragend zu dir hoch, bevor ich meinen Kopf wieder an deine Schulter lehne. Und dann beginnst du zu erzählen. 

„Ich war vorher noch nie in den Bergen. Noch nie, kannst du dir das vorstellen? Ich hab vergessen zu atmen, so schön war es, sie das erste Mal zu sehen. Die anderen beiden sind jeden Tag Ski gefahren. Aber ich nicht. Und dann bin ich zum Lift gegangen. Die andern waren schon vorgefahren und dann stand ich da. Vor dieser Gondel. Mit einem Haufen Angst im Bauch. Die Frau am Lift hat mich dann quasi reingeschubst, einfach so, wie man einem Kind das Schwimmen beibringt. Sie hat mich reingeschubst und die Tür zugemacht und dann saß ich da in meiner Gondel. Ganz allein. Nur ich und dieser große Haufen Angst in meinem Bauch. Und bin gefahren. Ich habe mir die ersten dreißig Sekunden gar nicht getraut, auszuatmen, so groß war diese Angst. Irgendwann sind wir über ein Bergplateau gefahren. Der erste gerade Boden unter mir. Immer noch ziemlich weit entfernt, aber ganz kurz nur ging es nicht nur bergauf. Da hab ich mir endlich getraut, auszuatmen. Ganz langsam erst, dann die ganze angestaute Luft in mir auf einmal. War gar nicht so schwer. Der nächste Anstieg, als es wieder nach oben ging, war dann schon deutlich leichter. Und irgendwann – es kam mir vor, als wäre eine Ewigkeit vergangen – bin ich oben angekommen. Ausgestiegen. Hatte wieder Boden unter den Füßen. So viel weiter oben als zuvor. So viel näher am Himmel. Und da habe ich tief Luft geholt und ein-und ausgeatmet, als müsste ich meinen Körper daran erinnern, wie das geht. Habe gemerkt, dass es sich gelohnt hat die Angst zu überwinden, die Sonne im Rücken gespürt und die Schneeflocken vor meiner Nase tanzen sehen. Und da wusste ich, dass es die ganze Angst wert war. Und das mir nichts passieren konnte.Die ganze Zeit nicht.“ Du schaust mich an, streichst mir kurz über die Haare. „Du sitzt in der Gondel Schatz.

Atme.“

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