„Einfach schwimmen“ – Buchrezension zu „Nur noch ein einziges Mal“ von Colleen Hoover

Bücher&Filme

Ich habe vor Kurzem ein Buch gelesen. Zugegeben, das ist bei mir jetzt nicht unbedingt eine Seltenheit. Aber irgendwie war dieses Buch es doch. Eine Überraschung. Eine Lektion. Eine Lehre.

Ich habe mir ein Buch gekauft, das ich so nebenbei lesen kann. Weil ich gerade mit meinem dicken 1000+ Seiten dicken historischen Roman fertig war und noch mal einen Genrewechsel brauchte, bevor ich mich an den Nachfolgerroman wagen wollte (Ken Follet – die Jahrhunderttrilogie : absolut empfehlenswert!!). Also bestellte ich ein Buch aus dem Bereich „Young Adult“. Ich glaube, korrekterweise nennt man dieses Genre „Contemporary Romance“, aber irgendwie merke ich mir das nie. Ich fing an zu lesen und statt des üblichen Boy-meets-girl-things schlug mir eine Geschichte über Liebe und ihre dunkelsten Seiten entgegen. Über Misshandlung in einer Beziehung und (Achtung Spoiler!) späteren Ehe, über Zerrissenheit und über Selbsthass.

„Nur noch ein einziges Mal“ von Colleen Hoover

Als Lily Ryle kennenlernt, ist gerade ihr Vater gestorben. Der Vater, der ihre Mutter soweit Lily sich zurückerinnern kann geschlagen, misshandelt und gewürgt hat. Der Vater, der ihre erste große Liebe halb tot schlug, bevor die Polizei ihn davon abhielt. Auch Ryle trägt eine schwere Last mit sich herum, die leider für einige Menschen (insbesondere eben in den USA, der Heimat der Autorin) nicht nur Romanfiktion ist, sondern knallharte Realität und immer wieder auch ein Nachrichtenfall. Aber ich möchte niemanden zu sehr spoilern. Lily und Ryle verlieben sich natürlich, wie sollte es anders sein ineinander. Irgendwann taucht Lilys Jugendliebe in der Stadt auf und Ryle wird eifersüchtig. Und gewalttätig. Und plötzlich fühlt sich Lily in ihre Jugend zurückversetzt und jetzt liegt sie statt ihrer Mutter auf dem Tisch und es ist nicht ihr Vater, sondern der Mann, den sie innig liebt und der sie innig liebt, der ihr da die Kehle so fest zudrückt, dass sie Angst hat, er könne sie umbringen. Und sie verabscheut sich selbst, wie sie auch ihre Mutter jahrelang verabscheut hat. Weil sie ihn zurücknimmt.  Ihn nicht verlässt. Ihn immer noch liebt, trotz dessen, was er ihr angetan hat. Bis es wieder passiert. Und es stellt sich die Frage: Was soll sie tun? Ihn verlassen?

Will sie das?

Kann sie das?

Colleen Hoover beschreibt hier keine reine Fiktion. Wie sie später im Anhang schildert, war sie selbst Kind einer Ehe, die von den Gewaltausbrüchen des Vaters gegenüber ihrer Mutter geprägt war.

Das Buch ist unheimlich „leicht“ geschrieben, zu Anfang sogar für meinen Geschmack etwas kitschig und viel zu unrealistisch. Doch das wird, hat man sich erst einmal eingelesen und die ersten Kapitel durchgehalten, mehr als wettgemacht. Coolen Hoover zieht uns mit in eine uns unbekannte Welt, die gleichzeitig leider für viele Frauen immer wieder bittere Realität ist und schafft es, uns eine Sichtweise auf eine oberflächlich betrachtet so einfach erscheinende Frage zu geben, dass uns klar wird: Es ist nicht immer schwarz oder weiß. Und vielleicht sogar nie.

Ein unglaublich berührendes Buch, dass mitreißt, zum Nachdenken anregt und in meinem Kopf noch lange nachklang. Wenngleich einige Buchentscheidungen auf mich ein wenig zu einfach und undurchdacht erscheinen (beispielsweise wie Lily zu ihrer neuen besten Freundin kommt) und der Anfang des Buches in meinen Augen eindeutig Luft nach oben lässt, machen die tiefgründigen Rückblenden, die immer wieder zwischen den Kapiteln auftauchen, die Durchdachtheit des restlichen Plots und die Entwicklung der Charaktere, insbesondere die der Protagonistin, das mehr als wett.

Würde ich hier Sterne verteilen, gäbe es wahrscheinlich 3/5 Punkten insgesamt, im eigenen Genre (sprich Contemporary Romance) 4,5/5.

Wer auf Young Adult, bzw. Contemporary Romance steht, der wird dieses Buch auf jeden Fall verschlingen.

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PPS: Der Übertitel dieses Posts „Einfach schwimmen“ erschließt sich euch, wenn ihr euch an das Buch heranwagt 😉

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