Der Schein trügt…

Lifestyle

Ich scrolle durch meinen Feed. Zum dritten Mal schon heute. Verdammt. Ich werde langsam wirklich süchtig nach dieser Plattform. Aber ich kann mir nicht helfen. Ich mag Instagram. Ich mag diese schönen Bilder, diese hübsch arrangierten Tische, die perfekt manikürten Nägel, die wunderschönen Landschaften und die kleinen, hashtaggespickten Texte. Das soziale Medium übt eine gewisse Faszination auf mich aus, inspiriert mich, macht einfach Spaß.

 

Wenn man wie ich viel auf Instagram unterwegs ist, stellt sich aber schnell auch mal ein beklemmendes Gefühl ein. Dieses „perfekte Leben der Anderen“ kann schon den ein oder anderen Zweifel am eigenen Leben hervorrufen. Weil meine Nagelbetten oft eingerissen oder rau sind, meine Kleidung nicht perfekt stylisch aufeinander abgestimmt ist und mein Essen auch niemals so fotogen wie das anderer Bloggerbabes.

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Und trotzdem: Was mache ich denn anders? Ich blogge auch, promote meine Artikel mit Bildern auf Instagram, versuche, möglichst schöne, fröhliche Bilder zu knipsen und sie homogen zu bearbeiten. Logisch. Ich möchte ja meinen Followern ein gutes Gefühl geben, Positivität, Inspiration und sie mit guter Laune anstecken. Klar, dass ich da nicht dauernd über Selbstzweifel, schlechte Tage oder unreine Haut berichte oder sie am Besten noch jemandem fotografisch unter die Nase reibe. Auf der anderen Seite würde es mich natürlich verletzbar machen. Ich will nicht, dass mich so jemand sieht. Man verkriecht sich, wenn man krank ist, nicht umsonst unter der Bettdecke zuhause, und bei unreiner Haut schmiere ich mir ja nicht umsonst Concealer auf den Pickel. Ich will schön sein. Fröhlich sein. Perfekt. Eine Utopie, die von sozialen Medien natürlich uneimlich befeuert wird. Sehr gefährlich, vor allem für Teenager, die sowieso in der Findungsphase stecken und häufig unter Unsicherheiten leiden. Deshalb ist es so schön und wichtig, zu sehen, wie viele Blogger sich langsam auch diesen Themen annehmen.

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Zu diesem Blogpost heute bin ich nicht von ungefähr gekommen. Ich wurde sehr stark dazu inspiriert durch die liebe Lena von Consider Cologne , die Anfang November einen sehr ehrlichen und inspirierenden Post über genau dieses Thema Instagram geschrieben hat. Und der Inhalt dieses heutigen Posts war ursprünglich mein Kommentar unter ihrem Blogartikel. Wenn das nicht zeigt, dass auch schwierige, unangenehme, TMI-Themen langsam endlich besprochen werden… 😉 Niemand erwartet, dass du dich verheult vor deine Kamera stellst und ich werde auch sicher nicht anfangen, meine Leser mit meinen Problemen zu „belasten“. Das ist nicht meine Aufgabe. Nicht das Ziel meines Blogs. Aber es ist schon viel geholfen, diese prekäreren Themen einfach anzusprechen. Schlechte Tage, Krankheit, ganz normale Probleme, wie jeder sie kennt, nicht totzuschweigen. Sonst bekommen wir sehr schnell das Gefühl, allein mit diesen Problemen dazustehen, fressen Frust in uns hinein und verwandeln ihn in Minderwertigkeitskomplexe, weil an unserer ganz normalen Alltagsrealität eben kein Filter haften bleibt.

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DSC_0618Also bitte behaltet das im Hinterkopf, beim Scrollen durch die Welt schöner Bilder, perfekt angerichtetem veganem Essen und frischen Blumen – Kaktus und Pizza in Schlabberhose ist auch ok! Toll sogar, wenn es dir guttut!

Die Fotos zu diesem Blogpost sind während eines Shootingtages mit einer Freundin entstanden. Als wir uns die entstandenen Bilder hinterher angesehen haben, fand ich sie unglaublich schrecklich. Ich habe mir wirklich auf keinem einzelnen Bild gefallen. Aber irgendwie dachte ich, hier passt es. Das bin eben ich. Ich gefalle mich nicht jeden Tag, in jeder Sekunde des Tages, und schon gar nicht wenn ich esse oder gähne. Ist halt so – im echten Leben. Filterlos.

 

 

Leni

2 Gedanken zu “Der Schein trügt…

  1. Ganz ehrlich? Ich finde die Bilder wunderschön und natürlich. Du hast auf jedem Bild eine tolle Ausstrahlung. Und der Text spiegelt genau das ebenfalls wider. Ich persönlich könnte auf die ganzen gepimpten Scheinwelt-Blogs auch gut verzichten, gute Texte wirken für sich und werden meiner Ansicht nach eher durch „leise“ Bilder verstärkt statt durch Plastikperfektionismus. Mir gefällt Dein Blog, ich werde jetzt öfter vorbeischauen!

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