Cool sein? Nein danke! // Es ist ok, Joggen doof zu finden! – oder andere Dinge.

Lifestyle

Mittwoch Abend. Ich fühle mich unausgeglichen. Irgendwie unwohl. Mir gehen viel zu viele Dinge durch den Kopf. Und ich will jetzt nicht nachdenken. Will mir nicht den Kopf zermartern über Probleme, die ich heute nicht mehr lösen kann. Das ging mir in letzter Zeit häufig so. Der gute Rat mehrerer Freunde und Verwandter: „Probiers doch mal mit Joggen. Hat mir super geholfen, den Kopf freizukriegen.“ Ich schaue auf die Uhr. Mist. Die Schwimmhalle schließt in 45 Minuten, das schaffe ich nicht mehr. Also ok, was solls, geb ich dem Joggen eben noch eine Chance. Vielleicht hilft es ja was. Verschlechterung kommt mir in der gegebenen Situation eher unwahrscheinlich vor, was habe ich also zu verlieren? Rein in die Sportsachen, Handy samt Kopfhörern zusammengesucht, Schlüssel in die Tasche und die Sportschuhe geschnürt. Und dann geht es los. „Because U know I´m all about that Bass“, wummert mir Meghan Trainors eingängiger Beat in den Ohren und gibt mir so ein Schritttempo vor. Einatmen. Ausatmen. Kurz denke ich darüber nach, wie ironisch das ist. Sich anzuhören, das Kurven doch sexy sind, während man Sport treibt. Aber gut. Wir machen das ja heute nicht, um Kilos zu verlieren, denke ich und versuche, mein Gehirn abzuschalten und von der ausgewählten Spotifyplaylist mit Tönen zudröhnen zu lassen. Vergebens. Stattdessen beginne ich nur nach anderthalb Liedern in einem Maße zu Schwitzen, dass ich sicher problemlos den Fluss neben dem ich jogge im Alleingang mit Wasser versorgen könnte. Der Kopf bleibt aber weiterhin voll. Vielleicht bin ich noch nicht weit genug gerannt. Also weiter. Und weiter. Und immer weiter. Ich lege immer häufiger Gehpausen ein, weil ich es nicht schaffe, lange am Sück zu joggen. Verdammt. Warum sieht das bei allen anderen Leuten immer so mühelos aus? So ganz nebenbei? Nach 40 Minuten schließlich gebe ich auf. Meine Gliedmaßen fühlen sich irgendwie gummiartig an und mein ganzer Körper ist eher müde als vom sportlich exzessiv ausgeschwitzten Dopamin glücklich oder gar euphorisch. Ein Satz mit X – das war wohl nix. Mit immernoch kreisenden Gedanken lege ich mich schließlich einfach schlafen. Am nächsten Morgen bemerke ich die Blase, die ich mir gelaufen habe. Und den riesen Muskelkater. Na toll!

Das ist jetzt ein paar Wochen her und seitdem drücke ich mich wieder wo es nur geht vor jedweden joggingähnlichen Aktivitäten. So was Blödes! Dabei ist Joggen doch so angesagt. Macht doch zurzeit jeder irgendwie, oder? Nun ja… Mich wohl mal ausgenommen. Ich liebe lange Spaziergänge und zugegebenermaßen stehe ich Nordic Walking auch weniger abgeneigt gegenüber, als ich das mit noch nicht einmal ganz 20 Jahren vielleicht sollte 😉 Und ich würde mich auch nicht als komplett unsportlich beschreiben. Ich gehe zum Beispiel wirklich gerne schwimmen. Aber Joggen? Warum klappt das bloß nicht bei mir? Ich habe der Sache wirklich mehr als nur eine zweite Chance gegeben. Seit mehreren Jahren ertappe ich mich nun schon dabei, wie ich in regelmäßigen Zeitabständen immer wieder aus den unterschiedlichsten Gründen denke: „Hey, wie wärs? Proiers doch einfach nochmal mit Joggen.“ Und jedes Mal bin ich wieder enttäuscht. Selbst wenn ich es mal schaffe, es länger durchzuziehen. Mein bisher bester Versuch waren mal drei Monate am Stück einmal die Woche regelmäßig laufen gehen. Und selbst damit habe ich nach einer gewissen Zeit wieder aufgehört. Warum? Weil ich einfach immer wieder merke, dass es nicht meine Sportart ist. Und ganz ehrlich? Das ist doch auch vollkommen in Ordnung! Oder? Nicht jeder muss ein Jogger sein! Ich gehe eben lieber Schwimmen oder zum Zumba. Aber wenn ich auf Instagram und Pinterest all die hochgradig motivierten, aus bunten Plastikflaschen Proteinshakes-trinkenden Fitnessmodel Look-a-likes sehe, wie sie lachend und in bauchfreien Sportoberteilen ihre Runden drehen, dann denke ich ehrlicherweise schon: Boah, das will ich auch. Joggen, wie toll! Nur, dass ich das scheinbar nicht bin. Ok. Das muss ich wohl lernen zu akzeptieren. Joggen macht mir keinen Spaß. Punkt. Ist doch in Ordnung. Man muss nicht alles toll finden, was gerade in Mode ist. Ich muss keine Momjeans tragen, kein Sushi mögen, niemand zwingt mich, ein Levis T-Shirt zu tragen und ich brauche auch nicht zwingend ein Festivalticket. Die Menschen sind nun mal verschieden. Und das ist auch für die meisten in Zeiten der Hipster-Selbstverwirklichungswelle total ok. Das wirklich schwierige ist manchmal nur, es selbst zu akzptieren.

Ich will nicht lügen. Wie ich mich kenne, hält diese Erkenntnis jetzt einige wenige Monate und dann versuche ich es wieder. Und wieder. Und immer wieder. Wahrscheinlich. Weil Joggen Hip ist. Aber bis mein Gehirn die Erinnerung an das Ergebnis dieses vergangenen Versuches erfolgreich gelöscht hat, packe ich wohl lieber wieder die Schwimmtasche. Dann bin ich eben uncool. Noch jemand?

Wovor laufen die denn eigentlich alle davon?

Habt ihr eine Lieblingssportart? Joggen vielleicht? 😉

Leni

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